Im Projekt „ReLaDi: Resilienz, Struktur und Digitalisierung des landwirtschaftlichen Direktvertriebs“ (2023–2025) hat die KMU Forschung Austria in Kooperation mit der FH Salzburg erstmals eine flächendeckende Strukturanalyse zum Thema bäuerliche Direktvermarktung durchgeführt und diese mit einer qualitativen Best-Practice-Analyse kombiniert. Die Erhebung bei 925 Betrieben zeigt eine außerordentliche Heterogenität: Es wurde eine Vielzahl an Merkmalskombinationen erfasst. Der klassische „Ab-Hof-Verkauf” reicht von informellen Nachbarschaftsverkäufen bis zu professionellen Hofläden. Zum Erhebungszeitpunkt waren 43 % der besuchten Betriebe bemannt.
In Krisen, wie beispielsweise Pandemien, Lieferkettenstörungen oder geopolitischen Verwerfungen, hat sich die bäuerliche Direktvermarktung als widerstandsfähiger erwiesen als konventionelle Absatzwege. Lokale Versorgungssysteme ohne Zwischenhändler reagieren flexibler auf externe Schocks. Persönliche Kundenbeziehungen und Stammkundenloyalität stärken diese Resilienz zusätzlich.
7 % der Direktvermarkter*innen nutzen Online-Kanäle aktiv, 31 % akzeptieren Kartenzahlung. Sowohl Betriebe als auch Konsument*innen sehen das größte Potenzial in niederschwelligen Maßnahmen wie passenden Social Media-Profilen, aktuellen Websites und verlässlichen Google-Maps-Einträgen. Vollautomatisierung wird hingegen skeptisch bewertet, da der persönliche Kontakt als zentraler Erfolgsfaktor gilt. Laut Studie bieten gemeinschaftliche Bauernläden und Selbstbedienungslösungen abseits des Hofes zusätzliches Skalierungspotenzial (zum Thema Distanzhandel siehe auch unsere Studien zu E-Commerce in Österreich).